LIFESTYLE – Mein Weg mit Histaminintoleranz

LIFESTYLE – Mein Weg mit Histaminintoleranz


In letzter Zeit erreichen mich über Instagram immer wieder Nachrichten und Fragen, wie bei mir die Histaminintoleranz festgestellt wurde und wie ich damit umgehe.
Ich freu mich sehr darüber, anderen Menschen mit dem gleichen Problemen helfen zu können und mich mit euch auszutauschen. Da ich nicht immer nur so kurz antworten möchte und der Umfang des Themas einfach eine Nachricht sprengen würde, habe ich mich dafür entschieden, meinen ganzen Weg hier einmal aufzuschreiben.

Also fangen wir mal ganz von vorne an.

 

Dezember 2013
So richtig angefangen, mit meinen Beschwerden, hat das ganze Ende 2013. Ich hatte zwar früher schon immer mal wieder Phasen, wo ich länger Bauchschmerzen hatte und nie etwas vom Arzt festgestellt wurde, aber diese sind dann nach ein paar Tagen/Wochen auch wieder von alleine verschwunden.
Ab Ende 2013 hat es dann angefangen, dass mich die Beschwerden ständig begleitet haben. Alles hat damit begonnen, dass ich an einem Sonntag meinen ersten Migräneanfall hatte. Ich hatte den ganzen Tag lang super starke Kopfschmerzen und mir war unglaublich schlecht. Am nächsten Tag waren die Kopfschmerzen wieder verschwunden, aber ich hatte immer noch ein komisches Gefühl im Magen, das sich so angefühlt hat, als müsste ich mich jeden Moment übergeben.
Das war damals in der Schulzeit kurz vor den Weihnachtsferien.
In den Ferien ging es mir immer noch nicht besser und ich fuhr zwischen den Feiertagen und Silvester mit meinen Eltern zum Arzt, da ich gerne an Silvester wieder gesund sein wollte.
Die Ärztin meinte, dass es eine Magenverstimmung wäre und verschrieb mir Iberogast gegen die Übelkeit. Das Medikament nahm ich dann bis Silvester ein, immer noch mit der Hoffnung, dass es mir besser gehen würde.
Silvester feierte ich bei meinem Freund mit noch ein paar anderen Freunden. Meinem Magen ging es aber immer noch nicht besser. Zwischen 22 und 23 Uhr ging ich dann nach oben um mich kurz hinzulegen und danach musste ich mich die ganze Nacht nur noch übergeben.

 

Januar 2014
Als es mir im Januar immer noch nicht besser ging und ich fast den ganzen Monat in der Schule fehlte, war ich gefühlt jeden Tag bei verschiedenen Ärzten. Es wurde ein Blutbild gemacht, ich wurde geröntgt, meine Stuhlprobe wurde auf das Bakterium Heliobacter untersucht und zum Schluss wurde noch ein MRT gemacht. Da es immer ein bisschen dauert bis man einen Termin bekommt und die Ergebnisse ausgewertet sind, hat sich das ganz bis ca. März hingezogen.
Ich wurde, soweit ich mich erinnern kann, nur auf organische Ursachen oder bekanntere Krankheiten wie Morbus Crohn etc. untersucht. Auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat mich nur eine einzige Ärztin hingewiesen und dann auch nur auf eine Laktoseintoleranz. Ich weiß nicht, ob es dafür damals noch keine ärztlichen Tests gab, auf jeden Fall sollte ich mir ein Laktatpulver aus der Apotheke holen und zuhause trinken und gucken, wie mein Körper darauf reagiert.
Gesagt, getan.
Aber mein Körper vertrug die Laktose ganz gut. Am Ende wurde mir dann nur noch gesagt, dass die Schmerzen und die Übelkeit psychisch sind und da habe ich dann aufgehört mich weiter untersuchen zu lassen, weil ich das Gefühl hat nicht mehr Ernst genommen zu werden und auch nicht wusste, was die Ärzte noch untersuchen sollten.

 

Februar/März 2014
Ich habe angefangen selber zu googeln, um herauszufinden, woher meine Beschwerden kommen könnten. Es gab zu der Zeit einen Hinweis auf eine Histaminintoleranz, den ich aber nicht mit irgendwas in Verbindung bringen konnte, da ich noch nie etwas von einer Histaminintoleranz gehört hatte.
Und zwar habe ich keinen Alkohol mehr vertragen.
Und das, obwohl ich ein halbes Jahr vorher noch öfters feiern und etwas trinken war und nie Probleme hatte.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass eine Freundin von mir 18 geworden ist und wir bei ihr zu Hause rein gefeiert haben. Ich hatte bei der Feier nur ein paar Schlucke Sekt getrunken, aber am nächsten Tag ging es mir so schlecht, als hätte ich mehrere Flaschen Sekt alleine ausgetrunken.

 

März – Juli 2014
Da meine Ärzte glaubten, dass meine Symptome psychischer Ursache waren, aber ich mir das einfach nicht vorstellen konnte, habe ich immer weiter gegoogelt. Am Ende bin ich darauf gekommen, das mein Darm wahrscheinlich nicht in Ordnung ist und habe beschlossen eine Darmsanierung zu machen.
Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist.
Im Enddefekt habe ich mir ein Darmsanierungspulver bestellt und habe jeden Abend das Pulver mit Orangensaft gemischt und getrunken. Die Darmsanierung sollte dafür sorgen, dass die Giftstoffe aus dem Körper gespült werden und der Darm wieder ins Gleichgewicht kommt. Das Pulver war super ekelig, aber nach ein paar Wochen hatte ich mich an den Geschmack gewöhnt.
Und das Pulver hat tatsächlich geholfen!
Nachdem ich es knapp 5 Monate lang eingenommen hatte, ging es meinem Magen schon viel besser und meine Symptome kamen nur noch ab und zu.

 

Juli 2014 – Juli 2016
Die nächsten 2 Jahre ging es mir von meinen Bauchbeschwerden wieder echt gut. Zwar nicht zu 100% so wie vor Dezember 2013, aber auf jeden Fall um einiges besser. Ich habe sogar wieder ein bisschen Alkohol vertragen, ohne das ich die Tage danach komplett im Bett verbringen musste.

 

Juli 2016 – April 2017
Im Juli 2016 habe ich gemerkt, dass ich wieder häufiger Probleme mit meinem Magen hatte. Ich habe allerdings gehofft, dass es wieder von allein weggeht.
Das passierte aber leider nicht. Im Gegenteil, die Symptome wurden immer schlimmer.
Im November 2016 habe ich versucht meine Magenbeschwerden wieder mit der Darmsanierung in den Griff zu bekommen, was aber leider nicht geholfen hat.
Ab Anfang Dezember kamen auch wieder Kopfschmerzen und Migräneanfälle dazu, welche teilweise mehrere Tage andauerten. 
Anfang 2017 wurden meine Magenbeschwerden dann so stark, dass mir eigentlich den ganzen Tag schlecht war und ich nach fast jedem Essen Magenkrämpfe bekommen habe.
Ab April habe ich Kreislaufprobleme bekommen und habe mich an manchen Tagen einfach nur richtig schlapp gefühlt. Und da habe ich dann den Entschluss gefasst, es noch einmal zu versuchen und mit meinen Beschwerden zu einem Arzt zu gehen.
Mein ehemaliger Hausarzt war schon länger in Rente, weshalb ich einen Termin bei seiner Nachfolgerin machte.
Für Anfang Mai hatte ich dann letztendlich wieder einen Termin, um mich untersuchen zu lassen.

 

Mai 2017
Anfang Mai ging ich dann zu meiner neuen Hausärztin. Ich weiß noch das ich ein nicht so ein gutes Gefühl hatte, da ich einfach Angst davor hatte, dass ich wieder keine Diagnose bekommen würde.
Manche haben davor Angst, dass sie eine Diagnose bekommen und ich wollte einfach nur wissen, woher meine Beschwerden kommen, egal was das Ergebnis sein würde.
Meine Hausärztin war super verständnisvoll und erklärte mir, wie wir vorgehen und was es für Ursachen geben könnte. Als erstes meinte sie, dass es eine Entzündung im Magen sein könnte und verschrieb mir Tabletten, welche ich einen Monat lang nehmen sollte. Wenn meine Symptome nicht besser werden, sollte ich wieder vorbei kommen. Ich machte für den Fall der Fälle schonmal direkt einen Termin, um dann nicht mehr so lange warten zu müssen.
Die Tabletten nahm ich knapp einen Monat ein, aber es gab keine Verbesserung.


Juni – Juli 2017
Anfang Juni ging ich wieder zu meiner Hausärztin und erzählte ihr, dass meine Beschwerden nicht besser geworden sind. Daraufhin sollte ich eine Stuhlprobe abgeben, um wieder auf den Heliobacter untersucht zu werden und bekam einen Termin zum Blutabnehmen und auch gleich einen für die Besprechung der Ergebnisse.
Ein paar Wochen später war ich wieder bei meiner Ärztin. Es kam raus, dass meine Werte alle perfekt waren.
Der nächste Schritt war es mich zu einem Gastroenterologen zu überweisen, um dort einen Laktosetest und ggf. eine Magenspiegelung zu machen. Den Termin beim Spezialisten bekam ich recht schnell, allerdings erstmal nur für eine Besprechung. Nach der Besprechung mit dem Arzt bekam ich einen Termin für den Laktosetest.

 

August 2017
Im August musste ich dann nüchtern um 8 Uhr morgens in der Praxis erscheinen.  Ich bekam eine aufgelöstes Laktatpulver, welches ich trinken musste. Quasi das gleiche, was ich ein paar Jahre vorher schonmal alleine gemacht hatte.
Nachdem ich die Lösung getrunken hatte, musste ich alle 10 Minuten in ein Gerät pusten und meinen Wert aufschreiben. Das ganze sollte ich drei Stunden lang machen.
Nachdem der Laktosetest beendet war, musste ich noch eine Stunde warten, bis mich der Arzt empfangen konnte, um meine Werte zu besprechen.
Ich habe keine Laktoseintoleranz, was ich aber auch schon selber gemerkt hatte, nachdem ich das Pulver getrunken hatte.
Der Arzt meinte dann, dass wir als nächstes einen Termin für eine Magenspiegelung machen, damit wir sicher sein können, dass mein Organ in Ordnung ist.
Also bekam ich einen Termin zur Magenspiegelung Anfang September.

 

September 2017
Anfang September ging es dann zur Magenspiegelung. Vor dem Termin hatte ich ziemlich Angst, da ich überhaupt nicht wusste was auf mich zu kommt und vorher auch noch nie ein Narkosemittel bekomme hatte.
Beim Arzt wurde dann zuerst noch ein Röntgenbild gemacht, wo aber auch alles in Ordnung war. Dann wurde mir ein Zugang gelegt und ich musste mich in der stabilen Seitenlage auf eine Liege legen. Irgendwann kam der Arzt rein und spritze mir das Narkosemittel. Das nächste an das ich mich erinnern kann, ist, dass mich zwei Arzthelferinnen ins Wartezimmer brachten, wo meine Mama auf mich gewartet hat.
Dann musste ich nochmal zum Arzt zur Besprechung, welcher mir mitteilte, dass auch da alles in Ordnung war.
Mitte September hatte ich wieder einen Termin bei meiner Hausärztin, um den weiteren Vorgang zu besprechen.
Dort wurde mir nochmal Blut abgenommen, um mich auf eine Gluten-, Fructose-, und Histaminunverträglichkeit zu untersuchen. Da habe ich dann zum ersten Mal etwas von einer Histaminintoleranz gehört.
Außerdem hat sie mir einen großen Darm Check-up empfohlen, wo einfach alles im Darm mittels einer Stuhlprobe, untersucht wird. Den muss man allerdings selber bezahlen.
Bei mir hat der, glaub ich, um die 140€ gekostet.
Ich machte dann wieder einen neuen Termin, um meine Ergebnisse zu besprechen.
Am 28.09. bekam ich dann während dem ich gearbeitet habe den Anruf von meiner Ärztin. Da ich das aber nicht mitbekommen habe, konnte sie mir nur auf die Mailbox sprechen.
Dort erzählte sie mir dann, das meine Blutergebnisse da sind und ich eine Histaminintoleranz habe.
Ich wusste in diesem Moment überhaupt nicht wie ich reagieren soll. Auf der einen Seite hab ich mich gefreut endlich nach knapp vier Jahren eine Diagnose zu haben, aber hatte auf der anderen Seite auch Angst davor, was jetzt auf mich zukommen wird.
Da ich mich vorher noch nie mit dem Thema Histaminintoleranz auseinandergesetzt hatte, fing ich erstmal an zu googeln und las quasi alles was ich finden konnte.
Zuhause druckte ich mir Ernährungslisten aus und stellte meine Ernährung von einen auf den anderen Tag komplett um.
Die ersten Tage  standen nur Knäckebrot, Reis und Zucchini auf meinen Speiseplan und ich fing an ein Ernährungstagebuch zu führen.
Ich schrieb jeden Tag genau auf was ich wann gegessen habe und wie es mir danach ging, um herauszufinden welche Lebensmittel ich vertrage und welche nicht. Außerdem hat mir das Kochbuch von Nathalies Cuisine sehr weiter geholfen, um ein bisschen Abwechslung in meinen Speiseplan zu bekommen.

 

Oktober 2017 bis heute
Anfang Oktober hatte ich den Termin zur Besprechung. Meine Ärztin erklärte mir was Histamin genau ist, und auf was ich auf jeden Fall verzichten sollte.
Danach bekam ich noch die Ergebnisse von meinem Darm Check-up, wo rauskam, dass mein Darm in einer nicht so optimalen Verfassung ist. Ich vertrage nämlich nicht nur kein Histamin aus Lebensmittel, das andere Problem ist, dass mein Körper selbst zu viel Histamin produziert. Dadurch hatte ich einen viel zu hohen Histamingehalt im Körper, der auch meine Symptome begründete. Außerdem kam heraus, das ich eine durchlässige Darmflora habe.
Ich habe von meiner Ärztin drei verschiedene Medikamente verschrieben bekommen, die meine Darmflora wieder stabilisieren sollen. Diese nehme ich jetzt fast täglich seit diesem Termin. Außerdem sollte ich weniger tierische Produkte und Zucker essen und komplett auf Weizen verzichten. Am Anfang habe ich komplett auf Zucker und Weizen verzichtet und ab und zu noch tierische Produkte gegessen. Vor ein paar Monaten habe ich nochmal erneut einen Darm Check-up machen lassen, wo schon eine Verbesserung bestätigt wurde. Allerdings soll ich immer noch wenig tierische Produkte und Zucker zu mir nehmen. Weizen esse ich seit dem ab und zu. Zucker schon eher regelmäßig vor allem in Form von Marmelade, aber doch schon weniger im Vergleich zu früher. Vor allem esse ich Zucker, weil ich in den Monaten während der Ernährungsumstellung und ohne Süßigkeiten und Zucker fünf Kilo abgenommen hatte, welche ich nur mit dem essen von Zucker wieder bekommen habe. Dafür verzichte ich seit ein paar Monaten komplett auf Fleisch und seit ein paar  Wochen auch auf alle anderen tierischen Produkte.
Diese „kleine“ Veränderung ist mir seit dem ich meine Ernährung komplett umgestellt habe, überhaupt nicht schwergefallen, weil ich seit dem gelernt habe, wie einfach es ist sich an neue Gewohnheiten zu gewöhnen, wenn man durchhält.

 

Seit dem ich meine Diagnose bekommen und meine Ernährung komplett umgestellt habe, geht es mir so viel besser! Ich habe immer noch immer mal wieder Symptome, besonders wenn ich was falsches gegessen oder Stress habe, aber das ist überhaupt kein Vergleich mehr zu früher.
Und das Wichtigste für mich war es einfach, dass ich endlich weiß, woher diese Beschwerden kommen und was ich dagegen tun kann.
Wenn du eine Histaminintoleranz hast, kann ich dir nur empfehlen deine Ernährung komplett umzustellen und auszuprobieren was genau du verträgst und was nicht.
Das ist nämlich von Person zu Person unterschiedlich.

Auf den ersten Blick klingt das jetzt vielleicht schwierig und sehr aufwändig, aber es hat mir so gut geholfen. Vor allem weil es so viele Listen im Internet gibt, die es einem einfacher machen.
Ich habe damit angefangen erst nur Reis mit Zucchini zu essen, ein paar Tage später habe ich dann Paprika dazu genommen und geguckt ob ich es gut vertrage. Und so ging es immer weiter. Alle paar Tage ein neues Lebensmittel, so dass ich mittlerweile bei einer Recht großen Auswahl bin. Obwohl ich immer noch nicht alles ausprobiert habe.
Ich hätte niemals gedacht, dass sich eine falsche Ernährung so stark auf den Körper auswirken und einen so beeinflussen kann.

Ich hoffe ich konnte dir mit dem Beitrag helfen und dir meine Geschichte etwas näher bringen. 🙂

 




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